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Hat der Lawinen-Winter Einflüsse auf den Sommeralpinismus?

(Pressemitteilung des Schweiz. Bergführerverbandes (SBV), 14.07.1999)

Anfang Juli, noch sind die Spuren der katastrophalen Lawinen vom vergangenen Februar deutlich sichtbar. Neben riesigen Waldschäden gibt es noch bis auf fast 1000 m über Meer hinunter von Holz, Erde und Steinen verschmutzte Schneehaufen, die vor sich hin schmelzen. Wieder einmal hat die Natur gezeigt, dass der Mensch im ganzen Gefüge nur ein Stäubchen ist. Dies sollte auch die Alpinistin und der Alpinist nie vergessen. Wer eine falsche Route wählt, die Zeit schlecht plant oder ein längst beschlossenes Programm «durchboxt», setzt sich leichtfertig den unberechenbaren Gewalten der Natur aus.

Viele denken nun, dass die Gletscher nach den ergiebigen Schneefällen vom Winter gut verschneit sind. Dies ist aber ein Trugschluss, weil die Gletscher noch nie so stark ausgeapert waren wie im letzten Herbst. Im südlichen Wallis gab es zudem nicht sehr viel Schnee - hier wurden schon während der Skitourensaison im Frühsommer sechs Tote aus Gletscherspalten geborgen. Der viele Schnee bedeutet also keinen Freipass, um unangeseilt über schneebedeckte Gletscher zu wandern. Viel Schnee liegt noch in Mulden, Runsen und Bachtobeln, also in Geländeformen, wie sie auf Bergwanderungen und Hüttenwegen oft anzutreffen sind. In den Morgenstunden kann dieser Schnee oft hart gefroren sein, was eine entsprechende Ausrüstung wie Seil, Pickel und Steigeisen erfordert. Damit Ausrutscher und Abstürze vermieden werden können, ist es wichtig, dass die Ausrüstung nicht nur mitgetragen wird, sondern auch zweckmässig eingesetzt wird. Um sich vor Gefahrenstellen zu wappnen, ist es ratsam, sich vorher beim Hüttenwart oder beim Bergführerbüro nach den momentanen Verhältnissen zu erkundigen. Aber nicht nur die Verhältnisse, auch die Zusammensetzung der Gruppe, die Ausrüstung, der Zeitplan und jemand, der weiss, was bei besonderen Vorfällen anzuordnen ist, sind wichtige Faktoren, um nicht ungeschützt der Natur und ihren Launen ausgeliefert zu sein.

Ob nun ein Katastrophen-Winter oder ein schneearmer Winter hinter uns liegt, ist eigentlich nicht massgebend. Weit wichtiger ist, dass die Tour den aktuellen Verhältnissen entsprechend geplant und nicht ein Prestige-Programm durchgezwängt wird. Die Berge sind immer stärker - aber sie sind auch geduldig und warten auf uns. Wer seine Traumtour unternehmen will, muss sich eben Zeit nehmen und gute Bedingungen abwarten können. Jedenfalls ist es angenehmer, nach einer unbekannten Ausweichtour zusammen zu lachen, als um Freunde zu weinen, die nicht mehr zurückkehren.

Die Bergunfälle, die sich in diesem Frühsommer ereignet haben, sind leider alle auf Unkenntnis oder Nachlässigkeit zurückzuführen.

  • Wächtenbruch an der Weissen Frau: Die Bergsteigerin hat sich losgeseilt und ist mit der Wächte abgestürzt. Gerade nach strengen Wintern ist mit grösseren Wächten zu rechnen. Es gibt auch keinen Grund, sich am Gipfel loszuseilen.
  • Erschöpfungstod bei der Bertolhütte: Die ausländischen Touristen, bloss mit Shorts und Turnschuhen bekleidet, versanken immer tiefer im Schnee. Ende Juni liegt auf 3000 m immer viel Schnee. Ausrüstung und Verhältnisse waren nicht geeignet für diese Tour.
  • Lawinen an der Clariden-Nordwand und am Lauteraarhorn: Auch mit diesen beiden Unfällen hat der Februar-Schneefall nichts zu tun. Im Mai und Juni schneit es oft in dieser Höhenlage, und dieser Schnee haftet häufig schlecht auf dem Winterschnee. Wenn die Nullgradgrenze das erste Mal wieder richtig ansteigt, sind Schneetouren besonders auf Abstrahlung, Schneebeschaffenheit und Temperaturverlauf zu prüfen.

 

Weil Bergsteigen eine Risikosportart bleibt, gibt es natürlich auch die «Pech gehabt»-Unfälle. Das Faszinierende am Bergsteigen ist eben, dass es nicht nur Sport ist, sondern viel mehr sein kann: Leidenschaft, Lebenshaltung, Philosophie, Freizeitbeschäftigung und vieles mehr.

60% der Bergtoten sind Leute, die auf eigene Faust etwas unternehmen. Stark gefährdet sind besonders Einzelgänger, die weitere 30% der Opfer ausmachen. Bloss 10% betreffen Teilnehmer von organisierten Touren.

Die Berge sind nicht gefährlicher geworden – aber es kann sein, dass die Gefahren häufiger wechseln oder an Orten auftreten, wo man sie nicht vermutet. Hier hat sicher der Einheimische einen Vorteil, weil er seine Berge durchs ganze Jahr hindurch beobachten und begehen kann. Wer seinen Bergurlaub unbeschwert geniessen will, ist gut beraten, sich einem diplomierten Bergführer anzuschliessen.

14. Juli 1999

PS Ein ausführliches Bergführer-Verzeichnis, in dem auch nach speziellen Angeboten gesucht werden kann, ist im Internet zu finden unter www.bergtourismus.ch

Es ist auch kostenlos erhältlich bei der Geschäftsstelle des Schweizerischen Bergführerverbandes, Kanzleistrasse 127, 8004 Zürich, Tel 01 291 49 33, Fax 01 291 49 78, E-Mail: wwoernhard@access.ch

 

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